Kastrationsprojekt in Wolgograd

Kastrationsprojekt in Wolgograd

Neues Kastrationsprojekt in der Nähe von Wolgograd ✂️

Mitte Februar dieses Jahres begann eine Zusammenarbeit zwischen unserem Verein „Hundehilfe-Russland e. V.“  und einer kleinen gemeinnützigen Stiftung „ZOV“,  gegründet von Olga Marinina und bestehend aus zwei Personen – ihr selbst und ihrem Sohn.

 Aber jetzt alles der Reihe nach. Die Freiwilligen eines Tierheims für Straßenhunde aus Astrachan schickten einen Brief an unseren Verein und baten um Hilfe. Aber die Freiwilligen baten nicht um Hilfe für sich selbst, sondern um Hilfe für eine Frau, namens Olga, aus einem Dorf namens Gorodishche in der Region Wolgograd.

In Wolgograd ist die Situation mit streunenden Hunden wie in vielen russischen Städten einfach katastrophal. Und Olga fing an, Hunde in Schwierigkeiten zu retten, sie zu behandeln und Spenden von Menschen mit Hilfe ihres eigenen Instagram-Accounts zu sammeln. Alle geretteten Hunde kommen auf ihr persönliches Grundstück.

Als die Anzahl der Hunde im “Tierheim” zunahm, stellte sich die Frage nach der Fütterung der Hunde. Alle hatten ständig Hunger. Ihre eigenen Mittel wurden bald knapp. Und alle Spenden, die Olga für die kranken Tiere sammeln konnte, gingen für die Begleichung der Tierarzt-Rechnungen drauf. Dann traf Olga eine Vereinbarung mit Schulen und begann, die Reste von den Schulmahlzeiten abzuholen. Dazu musste sie jeden Abend in allen Schulen herumfahren und schwere Eimer mit Essensresten einsammeln. Das war harte Arbeit, aber die Hunde haben endlich etwas zu essen bekommen..

Das Problem kam mit Pandemie, weil die Schulen geschlossen blieben. Natürlich gab es deshalb keine Reste vom Schulessen…

Die Freiwilligen aus Astrachan, die an uns den Brief geschrieben hatten, baten, das Tierheim mit Hundefutter zu versorgen.

Natürlich war es uns unmöglich, die 100 Hunde des Tierheims völlig ohne Futter zu lassen. Es gab unter den Hunden einige, die medizinisch behandelt wurden. Sie brauchten zusätzlich eine verbesserte und hochwertige Ernährung.

Wir haben Futter für Olgas Hunde gekauft und gleichzeitig einige Operationen bezahlt. Und dann wurde die Idee eines Kastrationsprojekts geboren. Auf dem Grundstück befinden sich etwa 100 Hunde sowohl männliche als auch weibliche. Dies führte zu zusätzlichen Schwierigkeiten oder konnte sogar zum Auftreten unerwünschter Welpen führen.

Olga nahm die Idee des Kastrationsprojekts mit großer Begeisterung an. Da es in Wolgograd und der Region viele Straßentiere gibt, ist ihre Sterilisation einfach eine Notwendigkeit. Nachdem die Hunde im Tierheim kastriert worden sind, ist geplant, streunende Hunde zu fangen. Nach der Kastration und der postoperativen Phase werden sie wieder freigelassen.

Olga räumte für dieses Vorhaben in ihrem Haus sofort ein kleines Zimmer aus, um ein Kastrationszimmer einzurichten. Dies war eine große Erleichterung, da dadurch sofort der Zeit- und Finanzaufwand für den Transport der Hunde zur Tierklinik weggefallen ist.

Gesagt, getan. Ein Projekt für das zukünftige Kastrationszimmer wurde entwickelt, ein Kostenvoranschlag wurde erstellt und die notwendigen Materialien wurden gekauft. Das Problem trat bei dem Kauf  der Käfige auf, in denen die Tiere in der postoperativen Phase gehalten werden sollten. Da viele Hunde halbwild und körperlich stark waren, waren die Käfige, die in den Zoohandlungen angeboten wurden, eigentlich ungeeignet. Und Olga beschloss, die Käfige selbst zu entwerfen, und dann fand sie einen Meister, der ihre Käfige nach Maß herstellte. Sie sind perfekt gelungen: stark und bequem. Olga nannte sie „vandalensicher“. Die Türen wurden an zwei benachbarten Seiten angebracht, so dass man nicht jedes Mal überlegen musste, wie diese Käfige im Raum angeordnet werden sollen. Und die Stangen und Schlösser der Käfige waren stark genug, um die körperlich starken Hunde für die Zeit zu halten, die sie brauchten.

Sie bestellte auch spezielle Lampen für die Beleuchtung, ein Desinfektionssystem für das medizinisches Zimmer, große Handelswaagen und die notwendigen Möbel für die Lagerung von Präparaten und notwendigen Utensilien. Und natürlich den Operationstisch. Der teuerste Kauf, aber es hat sich gelohnt. Ein moderner und sehr komfortabler Operationstisch ist der Stolz des Kastrationszimmers.

Der Vorbereitungsprozess dauerte drei Wochen und die ersten Kastrationen begannen Mitte März.

Zunächst war die Kastration von 100 Hunden geplant. Da der Raum, in dem die Käfige installiert wurden, klein ist, konnten jeweils nur 10 Hunde sterilisiert werden. Dann dauerte es 5-7 Tage, bis die Hunde sich erholt hatten und die Käfige für die nächsten Patienten frei waren.

Aller Anfang ist schwer. Innerhalb eines Monats nach Beginn der Kastration wurden mehr als 120 Hunde operiert. Das heißt, alle Hunde, die im Tierheim sind und einige, die bereits außerhalb des Tierheims gefangen wurden.

Das Problem beim Fangen von Hunden bestand darin, dass sie ihre Verstecke zu einem anderen Zeitpunkt  verlassen, als die Arbeitszeit der Hundefangdienste der Stadt war. Daher wurde beschlossen, Olgas Sohn zur Ausbildung zum Hundefänger zu schicken. Sobald er die erforderlichen Qualifikationen erhalten hat, kann das Kastrationsprojekt völlig autonom und unabhängig von den städtischen Diensten existieren.

Nach Schätzungen von Natalia Gracheva ist das Kastrationsprojekt derzeit recht erfolgreich. Und die Zusammenarbeit wird fortgesetzt.